Der Einfluss von Dünger auf Geschmack und Harzbildung bei Cannabispflanzen
- Stanislav Mitrokhov

- Feb 16
- 5 min read

Einleitung
Zwei Grower verwenden die gleiche Sorte, die gleiche Genetik, die gleiche Umgebung – aber die Buds schmecken völlig unterschiedlich. Warum?
Das Geheimnis liegt nicht in der Menge des Düngers, sondern in der Art und Weise, wie der Dünger Terpene und Harzbildung beeinflusst.
Dieser Blog erklärt die Biochemie hinter deinem Rauch.
Teil 1: Wie Dünger die Harzbildung beeinflusst
Das Phosphor-Paradoxon
Phosphor (P) ist essentiell für die Cannabinoid-Biosynthese. Ohne ausreichend P kann deine Pflanze THC und CBD nicht synthetisieren. Aber es ist kompliziert.
Die richtige P-Dosierung
Studien zeigen ein klares Bild:
Zu wenig P (< 11,25 mg/L): Deutlich reduzierte THCA und CBDA
Optimales P (11,25 - 22,5 mg/L): Maximale Cannabinoid-Konzentration
Zu viel P (> 22,5 mg/L): Keine weitere Steigerung der Cannabinoid-Konzentration
Das ist das kritische Fenster: 11,25 - 22,5 mg/L Phosphor.
Ein generischer Blütendünger mit „20% P" könnte zu viel oder zu wenig sein – es kommt auf die Dosierung an. Cannabis-spezifische Dünger sind auf dieses enge Fenster kalibriert.
Warum zu viel P schlecht ist
Zu viel Phosphor führt zu Nährstoffblockaden. Speziell werden blockiert:
Calcium
Magnesium
Zink
Kupfer
Eisen
Das ist tückisch: Deine Pflanze hat ausreichend Mg und Ca im Boden, aber die hohe P-Konzentration blockiert ihre Aufnahme. Das führt zu Mangelsymptomen ohne echten Mangel.
Magnesium ist dabei das Schlüsselelement. Mg ist essentiell für die Terpenen-Biosynthese. Ohne ausreichend Mg können Terpene nicht produziert werden – deine Buds schmecken fad.
Die Wissenschaft der Cannabinoid-Synthese
Cannabis produziert THC und CBD über zwei Wege:
MEP-Pathway (Methyl-Erythritol-Phosphat):
Benötigt Phosphor an mehreren Enzym-Schritten
Produziert Geranyl Diphosphate (GPP), einen kritischen Vorläufer
Phosphormangel blockiert diesen Weg komplett
Polyketid-Pathway:
Auch Phosphor-abhängig
Beide Wege treffen sich bei Cannabigerolic Acid (CBGA), dem direkten Vorläufer von THCA, CBDA und CBCA.
Ohne den richtigen P-Wert friert die Cannabinoid-Produktion ein.
Magnesium: Der verkannte Held der Harzbildung
Magnesium ist nicht „optional" – es ist kritisch.
Mg's Rolle
Chlorophyll-Struktur: Das Zentrum eines Chlorophyll-Moleküls ist Magnesium. Ohne genug Mg = schwache Photosynthese = schwache Blüten-Energie
Enzym-Aktivator: Mg aktiviert Dutzende von Enzymen, die in der sekundären Metabolit-Produktion (Cannabinoide, Terpene) beteiligt sind
GPP-Formation: Mg ist notwendig, um Geranyl Diphosphate zu bilden – den Rohstoff für Terpene und Cannabinoide
Die optimale Mg-Dosierung
Studien der letzten Jahre sind klar:
Zu wenig Mg (< 20 mg/L): Reduzierte THCA, CBDA, und Terpene
Optimales Mg (35 mg/L): Maximale Cannabinoid- und Terpenen-Produktion
Zu viel Mg (70-140 mg/L): Terpenen-Produktion bleibt erhalten, aber Biomasse sinkt
Das ist wichtig: Der optimale Punkt für Harz- und Terpenen-Qualität ist sehr präzise. 35 mg/L Magnesium.
Generische Dünger haben Mg, aber nicht in dieser präzisen Dosierung. Das kostet dich Qualität.
Teil 2: Terpene - Die Geschmacks-Moleküle
Was Terpene sind
Terpene sind flüchtige organische Verbindungen, die dem Cannabis seinen Geschmack und Geruch geben. Sie sind auch therapeutisch aktiv (das Entourage-Effekt-Konzept).
Die wichtigsten Terpene in Cannabis:
Limonene (Zitrone, frisch)
Myrcene (erdiger Duft)
Pinene (Kiefer, frisch)
Caryophyllene (würzig, würzig-scharf)
Linalool (blumig, lavendelartig)
Humulene (holzig, hopfig)
Wie Dünger Terpene-Produktion beeinflusst
1. Nährstoff-Stress als Trigger
Das ist kontraintuitiv, aber wahr: Leichter Nährstoff-Stress kann Terpenen-Produktion erhöhen.
Die Theorie: Terpene haben eine Verteidigungsfunktion in der Natur. Wenn eine Pflanze unter Stress steht (inkl. Nährstoff-Stress), produziert sie mehr Terpene als Schutzmechanismus.
Dies funktioniert aber nur mit kontrollertem, leichtem Stress – nicht mit schwerer Unterversorgung. Ein zu schwacher Dünger führt zu schlechtem Wachstum und schwachen Terpenen. Ein leicht reduzierter Dünger kann Terpenen fördern.
2. Magnesium direkt unterstützt Terpenen-Synthese
Wie erwähnt ist Mg kritisch. Studien zeigen:
Low Mg (2-20 mg/L): Niedrige Terpenen-Konzentration
Optimal Mg (35 mg/L): Peak Terpenen-Produktion
High Mg (70-140 mg/L): Terpenen-Produktion bleibt erhalten
Das ist messbar. Pflanzen mit 35 mg/L Mg produzierten deutlich intensivere Terpenen-Profile als unterversorgte Pflanzen.
3. Organische Dünger vs. Synthetische: Der Terpenen-Unterschied
Hier wird es praktisch:
Organische Dünger:
Unterstützen Bodenmikroben aktiv
Pflanzen in biologisch aktiven Böden produzieren mehr Terpene
Die Erklärung: Bodenmikroben produzieren Signalmoleküle und Phytohormone, die Terpenen-Synthese triggern
Praktisches Resultat: Intensiverer Geschmack und Aroma
Synthetische Dünger:
Töten Bodenmikroben ab
Pflanzen müssen komplett aus der Nährlösung wachsen
Weniger Signalmoleküle von Bodenmikroben
Praktisches Resultat: Schwächeres Aroma, flacherer Geschmack
Studien und praktische Erfahrung stimmen überein: Organisch angebaute Cannabis hat intensivere Terpenen-Profile als synthetisch angebaute.
Das ist nicht subjektiv – das ist Chemie.
Der Terpenen-Speicher: Trichome
Terpene werden in Trichomen gelagert – kleine kristalline Drüsen auf den Blüten. Der Aufbau dieser Trichome ist ein mehrstufiger Prozess, der dünger-abhängig ist.
Phase 1: Trichom-Initiation (frühe Blüte)
Kritisch: Phosphor (50-80 ppm)
Zu wenig P: Trichome entstehen gar nicht erst
Resultat: Schlechte Harzbildung
Phase 2: Trichom-Entwicklung (mittlere Blüte)
Kritisch: Kalium (150-200 ppm)
K unterstützt die Enzym-Funktion in Trichom-Zellen
K unterstützt auch den Zucker-Transport in Trichome (Energie für Sekundär-Metabolit-Synthese)
Zu wenig K: Schwache Trichom-Entwicklung, weniger Harz
Phase 3: Terpenen-Akkumulation (späte Blüte)
Alle Mikronährstoffe sind jetzt kritisch
Speziell: Mg, Fe, Zn, Cu, B
Ein Mangel an jedem dieser kann Terpenen-Produktion blockieren
Ein Standard-Dünger mit generischen Dosierungen passt diese Phasen nicht an. Ein Cannabis-spezifischer Blütendünger tut es.
Teil 3: Organisch vs. Synthetisch - Die Qualitäts-Frage
Organische Cannabis-Dünger
Wie sie funktionieren:
Nährstoffe sind in organischen Molekülen gebunden
Bodenmikroben zerlegen diese Moleküle
Die Pflanze nimmt nur auf, was sie braucht (natürliche Selbstregulation)
Resultat für Geschmack:
Intensivere Terpenen-Profile
Komplexere Aroma-Noten
Natürlicherer Geschmack ohne chemischen Nachgeschmack
Die Pflanze kann über Bodenmikroben-Signale mehr Terpene triggern
Resultat für Harz:
Schwerere, dichtere Buds
Höhere Cannabinoid-Konzentration in der Blüte
Bessere Lagerfähigkeit (weniger chemische Rückstände)
Synthetische Cannabis-Dünger
Wie sie funktionieren:
Nährstoffe sind bereits als Ionen gelöst
Sofortige Aufnahme durch Wurzeln
Grower hat volle Kontrolle über Nährstoff-Spezialisierung
Resultat für Geschmack:
Schwächere Terpenen-Profile
Weniger komplexe Aromen
Manchmal chemischer Nachgeschmack (wenn zu viel gegeben)
Weniger Bodenleben = weniger Terpenen-Trigger
Resultat für Harz:
Tatsächlich dichtere, schwerere Buds (paradox)
Höhere Cannabinoid-Konzentration pro Gramm Blüte
Schneller zu verarbeiten (weniger Chlorophyll)
Höhere Gesamterträge
Hybrider Ansatz (Organisch + bio-Stimulanzien)
Die beste moderne Praxis ist hybrid:
Basis: Organische Dünger (für Terpene und Geschmack)
Boost: Bio-Stimulanzien (Aminosäuren, Kelp, Humate) in der Blüte
Resultat: Intensive Terpene + dichtes Harz
Die praktische Formel: Wie man beides maximiert
Für maximale Harzbildung:
Phosphor: 11,25 - 22,5 mg/L in der Blüte
Magnesium: 35 mg/L durchgehend
Kalium: 150-200 ppm in der mittleren bis späten Blüte
Calcium: Ausreichend für Zellwand-Stabilität
Spurenelemente: Fe, Mn, Zn, Cu, B in ausgewogenen Konzentrationen
Für maximale Terpene:
Organische Basis: Lebendiger Boden mit aktiven Mikrobellen
Magnesium: 35 mg/L (nicht 50-70, nicht 20)
Leichter Stress (optional): Etwas weniger Stickstoff in der Blüte (< 160 mg/L), um leichten Stress zu triggern
Licht: Volle Lichtverfügbarkeit bis zur Ernte
Ernte-Timing: Trichom-Reife beobachten (milchig = maximale Terpene)
Das Bottom Line
Der Dünger, den du wählst, hat einen direkten biochemischen Einfluss auf Geschmack und Harzbildung. Es ist nicht nur eine Frage von „mehr Dünger = bessere Buds". Es ist eine Frage von Präzision.
Phosphor muss im richtigen Fenster sein (11,25-22,5 mg/L), sonst funktioniert die Cannabinoid-Biosynthese nicht
Magnesium muss 35 mg/L sein, nicht 20 oder 50
Organische Dünger unterstützen aktiv Terpenen-Produktion, synthetische nicht (wenn das Bodenleben zerstört ist)
Ein Standard-Dünger passt sich nicht an diese spezifischen Anforderungen an
Mit einem Cannabis-spezifischen Dünger bekommst du:
30-40% mehr Cannabinoid-Ertrag (durch optimales P)
20-30% mehr Terpenen-Intensität (durch optimales Mg und Bodenleben-Unterstützung)
Besseres Aroma und Geschmack (durch organische Komponenten)
Dichtere, schwerer wirkende Buds
Das ist nicht Marketingsprech – das ist Biochemie. Investiere in den richtigen Dünger, und die Qualität deiner Ernte wird sich mehrfach verbessern.
Dünger ist nicht gleich Dünger. Für Cannabis brauchst du Cannabis-spezifischen Dünger.




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